Das digitale Zeitalter hat die Vision der unendlichen Möglichkeiten noch einmal potenziert. Unerkannte gar ungeahnte Möglichkeiten versetzen die Nutzer, die Anbieter und die Wirtschaft in euphorische Stimmung. Dennoch hat auch die „digitale Medaille“ zwei Seiten oder anders gesagt: jeder guten Nachricht folgt auch eine schlechte Nachricht. Aber woran liegt es, dass auch der digitale Fortschritt keine bessere Welt bringt? Der Mensch bleibt Mensch und auch im Cyberspace menschelt es!

So sind kriminelle Handlungen kein neues Phänomen der digitalen Welt. Die Möglichkeiten sind vielleicht raffinierter, die Handelnden schwerer zu erwischen. Ob jemand das Konto leerräumt, weil er sich die Pin-Nummer ergaunert hat oder mir mein Bargeld aus der Tasche oder aus der Wohnung stiehlt …… geklaut ist geklaut. Ob ich bei einer Internetfirma etwas kaufe und dann wertloses Zeug erhalte oder der super teure Teppich falsch und wertlos ist – Betrug ist Betrug. Die Intention ist auch immer die gleiche – der Kriminelle will viel Geld und holt es sich bei denen, die es anscheinend haben oder zu gutgläubig sind.

Drei weiteren Beispiele aus den letzten zwei Wochen:

Hacker statt Mata Hari

Der US-Verteidigungsminister droht Hackern. Er fordert eine Debatte über den Schutz vor Cyber-Attacken und vergleicht sie mit kriegerischen Handlungen. Im vordigitalen Zeitalter hieß das noch Spionage und Spionage-Abwehr. Ausspioniert haben sich alle, gegenseitig – besonders während des „Kalten Krieges“. Spione mussten damals allerdings noch geheime Dokumente abfotografieren und bezahlten – wie Mata Hari, die berühmte Doppelagentin – im Extremfall mit ihrem Leben. Ob sie wirklich die Doppelagentin war, wie behauptet, ist bis heute nicht erwiesen. Ob wirklich China für die Cyberangriffe verantwortlich ist, wird wohl auch nicht nachzuweisen sein. die einen erwischt man, die anderen nicht.

Flashmob seit  „Nach fünf im Urwald“ (1997)

Anna (Franka Potente) wird 17 und darf zum ersten Mal eine große Party geben – in Abwesenheit der Eltern – die Urlaub in München machen. Zuerst verläuft die Party ziemlich brav, doch dann mischen wildfremde Gäste mit – Freunde von Freunden von Freunden. Als die Eltern am nächsten Morgen erscheinen, finden sie das reinste Chaos vor und stolpern über verkaterte und benebelte Teenager. Bereits vor facebook gab es immer wieder Nachrichten über verwüstete Wohnungen nach einer Geburtstagsparty. Freunde hatten per Handy Freunde und die wiederum Freunde benachrichtigt. Menschen die den Geburtstag feiernden nicht kannten und die er nicht kannte tummelten sich im heimischen Wohnzimmer, tranken, randalierten und verschwanden wieder. Der Geburtstag der 16jährigen Thessa aus Hamburg, zu dem ca. 1.600 Gäste anreisten ist vom Prinzip her nichts neues – die Dimension der angereisten Personen ist neu.

Nutzung sozialer Netzwerke wie bei der Clique/ dem Freundeskreis

Wissenschaftler nutzen Facebook für ihre soziologischen Studien. Dabei fallen drei Aspekte auf, die die Wissenschaftler herausgefunden haben. 1. In den Facebook-Profilen spiegeln sich reale Persönlichkeitseigenschaften wieder. Der Facebook-Nutzer schafft sich also keine digitale Zweitidentität. Er will als die Person, die er ist erkannt und gesehen werden. 2. Der Soziologe Cameron Marlow hat für Facebooks  Data Team herausgefunden, mit wie vielen Menschen man überhaupt eine wirkliche Beziehung haben kann. Die Grenze seien 150, offline wie online, postulierte vor einigen Jahren der Anthropologe Robin Dunbar von der Oxford University – mehr verkrafte unser Gehirn nicht. Tatsächlich: Auch in Sozialen Netzen gilt die Dunbar-Zahl, wie sie inzwischen genannt wird. Die durchschnittliche Zahl an Freunden liegt bei 120. Selbst wer mehr als 500 hat, kommuniziere nur mit einem knappen Dutzend von ihnen regelmäßig direkt über Nachrichten, hat Marlows Team festgestellt. 3. Das Soziale Netzwerk wirkt auf unser reales Leben. Letztendlich wie der Freundeskreis, die Clique, das soziale Milieu. Welche Konzerte wir besuchen, welche Produkte wir kaufen, wo wir essen gehen, würde danach entscheiden, wer sie bei Facebook mit ›gefällt mir‹ markiert habe, sagt Sam Gosling. Und das heißt nichts anderes, als dass wir uns ganz traditionell an dem orientieren, was unsere Freunde empfehlen.

Letztendlich so scheint es, ist der Mensch in einer unüberschaubar großen – digitalen – Welt gelandet, fasziniert, irritiert – und sicherlich auch oft überfordert. Und er handelt so, wie er ist: menschlich.

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