Wie Zeit online diese Woche berichtet, soll in Berlin ein neues „Institut für Internet und Gesellschaft“ gegründet werden. Dabei geht es nicht um eine universitäre Institutsgründung innerhalb einer Fakultät. Vielmehr handelt es sich um ein sogenanntes An-Institut zur Berliner Humboldt Universität, das der Universität zwar angegliedert ist, aber als gemeinnützige GmbH eigenständig handelt. dieses An-Institut wird von Google drei Jahre lang mit je 1,5 Millionen Euro gesponsert. Damit werden vier Stellen für Wissenschaftler, vier wissenschaftlichen Mitarbeitern, einem Geschäftsführer und einer Assistentin dieses Geschäftsführers finanziert.

Neutrales Sponsoring eines Wirtschaftsunternehmens – gibt es das?

Die Frage stellt sich schon: seit wann ist Sponsoring eines Wirtschaftsunternehmens neutral? Und die gesponserte Institution unabhängig? Wenn es nicht um direkte Einflussnahme geht, dann aber um Image und unternehmensverwertbare Ergebnisse. So heißt es denn auch: „Die Firma erhofft sich dadurch nicht unbedingt Erkenntnisse, die ihr helfen, Geld zu verdienen. Vielmehr sei man daran interessiert, „wie die deutsche Gesellschaft tickt“, sagte Max Senges von Google. Das Mission Statement des neuen Instituts schreibt:  Ziel sei es, „die vom Internet ausgehenden Veränderungen der Gesellschaft besser zu verstehen.  und allen Gruppen die Mitgestaltung der digitalen, vernetzten Zukunft zu ermöglichen.“  Auf der Beta-Website des zukünftigen Institutes wird Interessierten die Möglichkeit eingeräumt, Ideen und Expertisen in die Entwicklung des Institutes einzubringen

Forschungsschwerpunkte

Bei sueddeutsche.de werden die Forschungsvorhaben konkreter beschrieben: Wie eine Spaltung der Gesellschaft in digitale Insider und Ausgegrenzte vermieden werden kann, will der Informatiker und Marketingforscher Thomas Schildhauer von der UdK untersuchen.  Jeanette Hofmann, Politologin am Wissenschaftszentrum, will zu informationeller Selbstbestimmung in Zeiten des Cloud Computing forschen. Wie in der Welt der Facebook-Freundschaften neue Zwischenstufen zwischen den überkommenen Rechtsbegriffen „privat“ und „öffentlich“ entstehen, möchte der Medienrechtler Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut ergründen. Und der HU-Verfassungsrechtler Ingolf Pernice will der Frage nachgehen, ob im Netz womöglich der „Schlüssel für eine Globalverfassung“, für eine Demokratie auf Weltebene verborgen sei, die wir bis vor kurzem nur als Utopie hätten abtun können. Das klingt spannend und der Forschung wert – aber brauchen wir dafür Google?

Das Bauchweh bleibt

Im Mission Statement steht unter Leitlinien und Philosophie:

Verbreitung eines humanistischen Verständnisses des Internets, bei dem der Nutzer im Mittelpunkt steht.

Natürlich steht der Internetnutzer bei Google im Mittelpunkt. Er lässt sich zu Geld machen für die Werbung, er lässt sich beeinflussen – was die neueste Diskussion über die Filter-Bubble zeigt. Bei all der Personalisierung durch gesammelte Daten habe ich nicht den Zugriff auf das gesammelte Wissen dieser Welt, sondern meine Welt wird verengt, das mir zur Verfügung gestellte Wissen eingeschränkt – und ich werde dadurch entmündigt vom Algorithmus von Google. Das hat Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, da bin ich mir sicher – aber ist es das was Google wissen und unterstützen will? Oder geht es nicht vielmehr darum, noch mehr über das „ticken“ der Gesellscvhaft zu erfahren um unternehmerisch darauf reagieren zu können?

Solange ich keines besseren belehrt werde, bleibe ich misstrauisch und skeptisch.

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